„Magdeburg ist Heimat“

Der Magdeburger Sänger Sebastian Raetzel tourt um die Welt und schreibt mittlerweile seine Songs selbst. Der Weg zum Erfolg war aber mit Umwegen verbunden.

Gesungen hat Sebastian Raetzel schon immer. „Erst auf Familienfeiern, später im Schulchor“, erinnert er sich. Der Schulchor am Gymnasium „Otto von Guericke“ sei Dank seiner Leiterin sehr gut, das Niveau sehr hoch gewesen. Daneben gab es auch noch einen Kammerchor und ein Männerquintett, in denen er ebenfalls seine Stimme erklingen ließ. Ein glücklicher Jahrgang sei das gewesen, dass so viele talentierte Sänger gleichzeitig an der Schule gewesen seien. Der Traum von der professionellen Sängerkarriere sei immer da gewesen, nach dem Abitur habe er sich aber erst einmal für ein Jurastudium entschieden. „Ich war zu einem Workshop an einer großen Musicalschule, aber das war nichts für mich, da ging es nur um Massenkompatibilität, nicht um individuelle Qualität“, sagt er. So habe er sich für den „seriösen“ Weg entschieden und nebenbei immer weiter Musik gemacht. Nach zwei Semestern verließ er die Universität wieder, nahm an der ersten Staffel von „Deutschland sucht den Superstar“ teil. Fürs Finale reichte es zwar nicht, aber auch heute trifft er immer wieder Leute aus dieser Zeit, die ebenfalls ihren Weg in der Musikwelt gehen.

Raetzel zog nach Berlin, absolvierte eine Ausbildung zum Kaufmann für audiovisuelle Medien bei einem privaten Fernsehsender. Regelmäßig schickte er Demos an Plattenfirmen, traf in einem Proberaum Ende 2006 auf Sam und Digger, mit denen „Basti“ zusammen als „The Baseballs“ um die Welt tourt. Drei ganz unterschiedliche Typen, die sich gut ergänzen – so beschreibt Sebastian Raetzel seine Band. Dank seiner kaufmännischen Ausbildung kümmert er sich um die Finanzen der Band selbst: „Das kommt mir schon sehr zu Gute.“

Mittlerweile singt Sebastian Raetzel auch nicht mehr nur die Lieder, die „The Baseballs“ von anderen covern. Schon beim dritten Album der Band haben die Mitglieder begonnen, eigene Titel zu schreiben, Raetzel hat sich inzwischen auch als Songschreiber einen Namen gemacht in Deutschland. Eines der Lieder, an dem er mitgeschrieben hat, findet sich auf einem Album von Schlagerstar Helene Fischer. Seit 2017 schreibt er auch für sich selbst: „Das ist Arbeit, viel Arbeit, die Ideen kommen mir zwischendurch, aber die Texte entstehen dann tatsächlich beim Treffen und dem gemeinsamen Schreiben mit anderen Kollegen.“ Und wenn er mal den Kopf freibekommen will, dann geht er auf den Fußballplatz: „Dann bin ich total auf das Spiel fokussiert, dann gibt es nichts Anderes.“

Außerdem würde er gern als Entertainer alter Schule, gern auch mal vor einer Fernsehkamera, sein Publikum durch einen Abend begleiten. Er habe vielleicht nicht den direkten Weg zum Erfolg genommen, aber jede der Wendungen habe ihren Sinn gehabt, denkt er heute. „Das alles hat dazu beigetragen, dass ich heute der bin, der ich bin.“

Gespielt hat Sebastian Raetzel schon einige Konzerte, zum Beispiel auch in der berühmten Royal Albert Hall in London. Besonders bewegend findet er aber jedes Jahr zu Weihnachten das kleinere Solokonzert „Homecoming“ am Thiemplatz, das schon zur Tradition geworden ist. „Es ist nicht die Masse an Zuschauern. Aber solange ich Musik machen kann, bin ich glücklich. Ich mache einfach das Bestmögliche und hoffe, dass die Leute es mögen“, sagt er. Und in Magdeburg tut er das besonders gern, denn den Kontakt zu seiner Heimatstadt hat er trotz aller musikalischen Höhenflüge nie verloren. In den vergangenen zwei Jahren haben sich die Besuche sogar intensiviert: „Meine Familie ist hier, ich bin hier verankert und Magdeburg ist meine Heimat.“

Die Bewerbung Magdeburgs um den Titel der „Kulturhauptstadt Europas 2025“ sieht er positiv. „Viele Leute haben gar kein richtiges Bild von Magdeburg, vor allem die Kulturhistorie wird unterschätzt. Wenn es klappen sollte mit dem Titel, wäre das sehr gut“, schätzt er ein. Bis dahin arbeitet er weiter an seinem eigenen Beitrag zur Kultur – sein Solo-Album mit dem Titel „Derselbe Himmel“ ist gerade erst erschienen* und die nächsten Songs warten schon darauf, geschrieben zu werden.

The Baseballs


Sebastian Raetzel