Vom staatlichen Kombinat „Öle und Fette“ zum Industriedienstleister für Qualität, Umwelt und Sicherheit „ÖHMI“. Die Basis schuf Dr. Peter Transfeld mit einer Innovation „made in magdeburg“.

Es ist ihm wohl in die Wiege gelegt worden, neugierig zu sein, nach Herausforderungen zu suchen, Funktionsweisen zu erforschen. Wenn sich Dr. Peter Transfeld an seine Kindheit erinnert, fällt ihm ein, dass er oft nach Neuem gesucht hat. Während andere Kinder vor dem Fernseher saßen, schnitzte oder bastelte er. „Ich war schon immer jemand, der unruhig war“, sagt er. Für den Wirtschaftsstandort Magdeburg ist das ein Glücksfall. Der Anlagenbauer, der Wissenschaftler und „Unruhegeist“ im besten Sinne, lenkt vor nahezu 30 Jahren mit einer Technologie „made in magdeburg“ die weltweite Aufmerksamkeit auf die Ottostadt. Mit seinem Verfahren der „Gegenstrombleichung“ ist es Anfang der 90er Jahre möglich, in Pflanzenölraffinerien bis zu 40 Prozent sogenannter Bleicherde beim Reinigungsprozess einzusparen. Der Magdeburger macht damals aus dem traditionellen einstufigen Prozess einen zweistufigen Prozess. Und er will mit nachwachsenden Rohstoffen wie Pflanzenöl den endlichen Rohstoff Erdöl ersetzen. „Das hat damals nicht wenige Menschen verblüfft, vor allem, dass wir es hier gemacht haben“, erinnert sich Dr. Peter Transfeld. Die neue Technologie öffnet dem Unternehmen „ÖHMI“ schließlich die Türen zu den internationalen Märkten. „Was erst kritisch betrachtet wird, ist häufig etwas Großes“, sagt er und beschreibt damit zugleich, was ihn immer angetrieben hat.

Ein Blick in die Geschichte: Als die Treuhand nach der Wende jenes Zentrallabor für die Öl- und Margarineindustrie abwickeln will, in dem er zu DDR-Zeiten als Ingenieur gearbeitet hat, entscheidet er sich mit drei leitenden Angestellten, es zu übernehmen. Sie starten mit 32 Mitarbeitern in ein Wagnis. Es gelingt: Das Magdeburger Unternehmen „ÖHMI“ positioniert sich neu auf dem Markt. Erst im Umwelt- und Energiebereich, später wieder in der Ernährungsbranche. „Es war nicht immer einfach, das Schiff auf Kurs zu halten“, fasst Dr. Peter Transfeld die zurückliegenden Jahre zusammen. „Aber bei uns wohnte immer der Geist kreativer Forschung“. Der Magdeburger ist gerade in den ersten Jahren als Firmenchef auf der ganzen Welt unterwegs. Hält Vorträge, überzeugt mit Wissen, Ergebnissen und Mut. Wenn man aufgrund seiner Erfindung große Augen macht, erklärt er, dass „Magdeburg zwischen Hannover und Berlin“ liegt. „Später habe ich einfach ein Relief von Guerickes Halbkugelversuch auf die Tische gestellt und gesagt: “Hier, das war mal unser Bürgermeister“, erinnert sich Dr. Peter Transfeld. Mit dem Magdeburger Otto von Guericke fühlt er sich verbunden, meint er, weil auch jener „Kritikern trotzen musste und sich trotzdem nicht von seinen innovativen Ideen abbringen ließ“. Darum schenkt der „ÖHMI“-Vorstand der Stadt Magdeburg im Jahr 2002 zum 400. Geburtstag Guerickes die auf dem Ratswaageplatz stehende Großplastik des berühmten Halbkugelversuches. Er setzt damit ein Zeichen, an dem sich die Geister reiben und freuen. Wirtschaftlich tut er dies mit seinem Engagement und immer wieder mit dem sprichwörtlichen „Ärmel hochkrempeln“. Stillstehen? „Mit mir ging das nie“, sagt Dr. Peter Transfeld.

Heute ist „ÖHMI“ ein Dienstleistungsunternehmen, das ca. 200 Mitarbeiter beschäftigt und ein breites Portfolio hat. Im Bereich der Analytik bietet „ÖHMI“ etwa Lebensmittel, Trinkwasser, Hygiene- und Umweltanalytik an. Im Bereich Zertifizierung prüft das Unternehmen die Managementsysteme in einem großen Spektrum – von Bauunternehmen, über Krankenhäuser, medizinische Einrichtungenbis hin zu Ver- und Entsorgungsunternehmen sowie Unternehmen der öffentlichen Hand. Hinzugekommen sind zudem Geschäftsbereiche wie Immobiliendienstleistungen, z.B. Garten- und Landschaftspflege, Winterdienst, Unterhaltsreinigung sowie Garten- und Landschaftsbau Vieles davon hat der Sohn des Chefs neu etabliert. Seit 2013 lenkt Dr. Carsten Transfeld die Geschicke des Unternehmens. Dass der Vater trotzdem „bestens unruhig“ bleibt, ist allen im Unternehmen klar. „Ich bin bei einigen Dingen noch eingebunden und gebe gern technische Tipps“, sagt Dr. Peter Transfeld. Die ständige Weiterentwicklung des Unternehmens beobachtet der ehemalige Vorstandschef mit Wohlwollen. Er sagt: „Unser Name ist gut bekannt, damit können wir nachhaltig arbeiten.“ Die Erfindung der Gegenstrombleichung des Magdeburgers war die Grundlage dafür. „made in magdeburg“ ist und bleibt eben eine gute Marke“, sagt er.

ÖHMI-AG


Dr. Peter Transfeld, ehemaliger Vorstandsvorsitzender