Eigentlich wollte Pio Lombardi 2005 als Erasmusstudent nach Dublin, um sein Englisch zu verbessern. Doch dort forschte niemand zu Regenerativen Energien. Von den drei deutschen Unis, mit denen das Politecnico di Bari Partnerschaften unterhielt, war Magdeburg die Einzige, die ihre Website mit Studien- und Prüfungsinfos auf Englisch anbot. Das gab den Ausschlag: „Mein Deutsch war damals noch nicht optimal. Denn es mussten Prüfungsvereinbarungen zwischen Heimat- und Gast-Uni geschlossen werden. Das war wichtig, denn ich musste hier Prüfungen ablegen, sonst hätte ich mein Stipendium zurückzahlen müssen an die Region Apulien. Und ich hatte wenig Geld und bin der Fünfte von sechs Kindern.“, erinnert sich der Energieforscher. „Es wurde eine sehr arbeitsintensive Zeit. Doch auch eine große Chance, mich mit anderen Kulturen zu vergleichen.“

Nach dem Master kam er, auch wegen der Liebe zurück nach Magdeburg. „Mein Elektrotechnikprofessor brauchte jemanden, der mit Maschinenbau und Berechnungen thermischer Energie Erfahrung hatte. So bekam ich einen befristeten Job. Eigentlich wollte ich danach nach Süditalien zurück. Doch nach einigen Monaten bekam ich vom Lehrstuhlinhaber das Angebot hier zu promovieren.“ Das war erneut viel Arbeit, denn für den Maschinenbauer war die Doktorarbeit in Elektrotechnik „ein anderes Universum. Doch die Themen waren genau, was ich wollte: es ging um regenerative Energien.“ Nun ist er glücklich; am Magdeburger Fraunhofer Institut ist er einer der Wissenschaftler mit der höchsten Zitationsquote für seine Publikationen. Auf dem Feld der Energieforschung spielt er jetzt in der Champions League der Wissenschaft.

„Nach der Promotion war die Entscheidung hier zu bleiben und an das Fraunhofer Institut zu wechseln nicht so schwer: Die Familie war hier und ich hatte große Freiheit hier zu forschen, was ich möchte – natürlich muss ich immer die Finanzierung für die Projekte organisieren, doch das klappt meist.“ Lombardi ist einer der ersten, der zum Thema Net Zero Energy forscht: „Wir haben hier eine der ersten Net Zero Energy Factories geplant. Ein Freund hat hier eine Tischlerei. Wir werden eine Industrial Energy Community bauen. Per Blockchain können wir belegen, dass die Produkte der Tischlerei mit 100% grüner Energie hergestellt wurden.“

Auf die Frage ‚Leben Sie gerne in Magdeburg?‘ lacht der Forscher, der vor innovativen Ideen für die Stadt sprüht, und sagt: „Ich habe hier ein Haus gekauft. Das ist der beste Beweis. Magdeburg hat sich in den 20 Jahren meines Hierseins rasant entwickelt. Die Wissenschaftsszene hat sich internationalisiert und nun haben einige Bereiche schon magnetische Kraft.“  Lombardi fühlt sich nun bestens integriert: „Ich habe einen großen Freundeskreis hier. Meine Kinder wundern sich immer, wer mich alles grüßt hier beim Spazierengehen.“ Für die Zukunft wünscht er sich: „Magdeburg sollte sich durch die Intel-Ansiedlung noch mehr Richtung praktischer Innovation entwickeln, gerade bei Einsatz und Verteilung regenerativer Energien. Die Stadt könnte auch architektonisch noch schöner werden durch Neubauprojekte.“ Und so werkelt er schon an Plänen, in Sudenburg eine Energy-Community zu bauen, die lokal erzeugte regenerative Energie direkt verteilt. Ob er in Italien das Gleiche erreicht hätte, weiß er nicht. Wohl aber, dass er dankbar ist, für die Chancen, die er hier in Magdeburg erhielt.

Mit Erasmus als Maschinenbaustudent aus Süditalien gekommen, als Energietechnik Spezialist in Magdeburg geworben


Dr. Pio Alessandro Lombardi

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